Kosmar diskutiert gerade das von ihm so bezeichnete 80% Mißverständnis von Shoppero und Robert Basic widmet sich auch der Frage nach der Einnahmeverteilung bei Shoppero, während Jochen Krisch allgemeiner auf Widgets und Werbung eingeht. Ich bin sehr dankbar, dass nun auch der Kern von Shoppero einmal etwas breiter diskutiert wird, denn in der Tat ist unser Erlösmodell nicht auf den ersten Blick zu greifen und zieht ein paar Fragen nach sich.
Ich hole einfach mal etwas weiter aus und erläutere das Modell noch einmal im Detail und gehe dann auf unsere Ideen ein, die zu dem Modell geführt haben.
Wie werden die User bei shoppero an den Einnahmen beteiligt?
Unser User können über zwei Komponenten an den Einnahmen beteiligt werden, die Shoppero aus der zentralen Vermarktung und aus möglichen Affiliate-Links erzielt - einerseits durch die Artikel, die sie schreiben, und andererseits durch die Besucher, die sie auf shoppero schicken.
Wenn beispielsweise über mein Adget einer meiner Leser auf shoppero geht und dort 10 Seiten aufruft, dann bekomme ich 60% der Einnahmen, die shoppero auf diesen 10 Seiten erzielt. Genauer gesagt wird der Anteil dieser 10 Seitenaufrufe gemessen am gesamten Traffic-Aufkommen auf den von Usern erstellten Produktseiten genommen und davon wiederum die 60%.
Und:
Die Autoren werden mit 20% an allen Einnahmen beteiligt, die auf den Produktseiten entstehen. Wovon ich 20% bekomme, berechnet sich daraus, wie hoch der Anteil meiner Produktseiten am Traffic auf allen Produktseiten ist: Wenn auf meinen Produktseiten 1% des Traffics aller Produktseiten entsteht, bekomme ich 20% von 1% der gesamten Einnahmen, die shoppero auf Produktseiten erzielt hat.
Warum machen wir das so?
Ausgangspunkt für die Idee hinter Shoppero war die Frage nach der Beteiligung der User an den Einnahmen, die durch sog. User-generated Content erzielt werden und die Frage nach User-Generated Advertising. Wir sehen derzeit jede Woche wieder eine Fülle von neuen Plattformen, die den User auf irgendeine Art und Weise einbeziehen und deren Geschäftsmodell so aussieht, dass sie einen Rahmen bieten für User, damit die sich austoben, sprich: Inhalte erstellen, damit dann die Plattformen diese Inhalte vermarkten und damit Geld verdienen. Das ist ein redliches Vorgehen, keine Frage, aber wir wollen mehr, wir wollen die User zusätzlich auch an den Werbe-Einnahmen beteiligen. Dabei entsteht natürlich immer ein Problem, nämlich eine mögliche tendenziöse Schreibe, denn oftmals wird der User nur erfolgsabhängig an den Einnahmen aus seinen Inhalten beteiligt. Das Stichwort hier ist Affliate und da dürfte jedem klar sein, dass da die Provison nur bei einem Abverkauf fällig ist, die Schreibe eher darauf hinauslaufen wird, ein Produkt anzupreisen. Wir wollen aber nicht, dass User etwas schreiben, nur damit gekauft wird. Wir wollen, dass die User generell an den Einnahmen beteiligt werden, egal ob sie ein Produkt gut finden oder nicht. Also haben wir den Weg gewählt, dass die User an allen Einnahmen, die auf ihren Produktseiten entstehen, mit 20% beteiligt werden. Warum “nur” 20%? Weil das immerhin ein Fünftel ist und wir nicht wollen, dass Inhalte nur deshalb geschrieben werden, weil dafür entsprechendes Geld kommen wird. Wir wollen eine gesunde Mischung erreichen, von Incentivierung durch Geld und eigenem Antrieb.
Der andere Aspekt war die User-generierte Werbung. Da haben wir uns überlegt, dass das Bauen eines eigenen Adget genannten Widgets mit einer Verlinkung zu einem oder mehreren Produkten sicherlich eine gute Idee ist. Damit können User Präferenzen ausdrücken, können gestalterisch tätig werden, können ein passendes Format wählen und können vor allem selber entscheiden, wie penetrant oder zurückhaltend die Werbung sein soll. An der Werbung soll der User dann wiederum finanziell beteiligt werden, das ist ja auch üblich.
Wenn wir uns jetzt das Erlösmodell angucken, dann wird hoffentlich klarer, was wir bezwecken wollen:
1. Wir entkoppeln die möglichen Erlöse etwas vom Inhalt, in dem wir a) den Trafficanteil an den gesamten Seitenaufrufen auf den von den Nutzern erstellten Inhalten zu Grunde legen und von den daraus resultierenden Einnahmen 20% ausschütten, was b) zur Folge hat, dass man zwar weiss, wieviele Seitenaufrufe kamen, aber nicht weiss, genau welcher Text wieviel Anteil an der Gesamtsumme hat, was c) verhindert, dass alle beispielsweise nur über Apple Ipods oder HDTV-Fernseher schreiben, weil sie dort das meiste Geld wittern.
2. Wir zahlen 60% der Werbe-Erlöse, die entstehen, wenn Seitenaufrufe über ein Click auf ein Adget entstehen, anteilig an den von Usern mit Inhalten erstellten Seiten. Wir zahlen also keinen Clickpreis, sondern für alles, was nach dem Click entsteht. Wir gehen davon aus, dass hier der Effekt entsteht, dass User, die ein Adget platzieren auch mit den dahinter zu findenen selber geschriebenen Inhalten in Verbindung gebracht werden wollen und daher auf Qualität achten, da ansonsten weniger Leute auf die Adgets clicken und noch viel schlimmer, gleich danach mit dem Lesen aufhören und die Seite verlassen.
3. Die 20% und die 60% sind also ein Workaround, damit eines nicht passiert: gekaufte Einträge, um es mal auf den Punkt zu bringen. Diese Art des Splits ist auf den ersten Blick kompliziert, wird aber dafür sorgen, dass die finanzielle Beteiligung der User nicht zu Lasten der Inhalte gehen wird.
4. Die finanzielle Beteiligung findet sicherlich im Bereich der Mikro-Monetarisierung statt, d.h. eher ein paar EUR als ein paar tausend EUR. Wir sollten uns aber auch vor Augen führen, wie die Inhalte aussehen, an denen die User finanziell beteiligt werden. Da geht es weder um aufwändige Filme, noch selbstkomponierte Songs oder abgeschlossene Romane, sondern um kurze und knackige Produktbesprechungen.
Nun sollte m.E. das Erlösmodell besser verständlich sein. Es geht um 20% der Werbe-Einnahmen anteilig am Gesamttraffic auf den von Usern mit Inhalten erstellten Seiten und um 60% der Werbe-Einnahmen, die über die Seitenaufrufe über ein Adget entstehen, aber eben auch anteilig an den gesamten von Usern mit Inhalten erstellten Seiten.

So wenn du das ganze auf einen allgemeinverständlichen Satz runterbringst, den auch meine Mutter versteht, bist du richtig gut dann.
Genau, wenn man eine so lange Erklärung für ein Geschäftsmodell braucht, schreckt das doch viele Nutzer ab. Mich jedenfalls im ersten Moment.
an dem einen satz bastel ich noch.
»anteilig am Gesamttraffic auf den von Usern mit Inhalten erstellten Seiten« , achso, ich ging bisher vom gesamten gesamttraffic aus … hm. dann bezieht sich alles auf den traffic der auf empfehlungsseiten stattfindet? keine listen, produktseiten etc?
Hi Nico,
zunaechst einmal Gratulation zum Social Shopping Experiment bei dem du die User, die Produktreviews schreiben, am Umsatz beteiligen willst. Dieser Ansatz liegt im Trend und hat auch in der Vergangenheit schon funktioniert.
Die Shopperoidee hat Vorlaeufer, ich habe bereits Ende 1999 bei Ciao in Muenchen gearbeitet, die damals Epinions kopierten. Damals wurden Rezensionsschreiber teilweise per Rezension bezahlt, unabhaengig wieviel diese Rezension als Werbeinventar oder Kundenvermittler wert war.
Euer Ansatz geht den richtigen Weg. Aber ich schliesse mich den Kommentatoren oben an. Euer Modell ist noch zu kompliziert. Auch erscheint es mir unfair, wenn du unter 4. sagst, dass die Rezensionserloese gering sein werden und ihr nur ab 25 Euro ausschuetten wollt. Auch hier solltet ihr den Usern weiter entgegenkommen.
Auch ich arbeite gerade an einer Idee, die den User, der Produkte empfiehlt, trackbar und bezahlbar macht. Das waere dann schon mal ein gutes Social Advertising, das sich monetarisieren laesst. Die Kundenvermittlung zu Onlineshops ist der naechste Schritt, der umso spannender wird, je mehr geile Produkte online verkauft werden und damit direkt verlinkt werden koennen. Jetzt noch eine Prise mobile und dann wird es lecker.
Viel Erfolg beim Social Shopping. Lasst mich wissen, wenn ihr euer Modell vereinfacht habt.