Bei der Planung von Shoppero kam natürlich irgendwann das übliche Thema Serverfarm auf. Ein riesiger Kostenblock, denn man will ja Redundanz und möglichst auch eine stete Erreichbarkeit gewährleisten, aber auch eine ordentliche Performance, damit die User zufrieden sind, und Skalieren soll das Ganze auch noch. Dazu kommt dann immer das Thema Hands-On Service, der auch teuer ist, es sei denn, man macht ihn selber, aber dann können murksige Netzwerkkarten oder kaputte Festplatten durchaus die Freizeit in Mitleidenschaft ziehen. Ich habe schon einige Serverfarmen geplant und aufgesetzt und irgendwie wollte ich bei diesem Startup auf dieses Nervpotential verzichten.
Zusammen mit Malte habe ich mir dann mal die Amazon Web Services angeguckt, genauer gesagt die Dienste Elastic Computing Cloud (EC2) und Simple Storage Service (S3). Auf den ersten Blick fanden wir das ziemlich ansprechend, auf den zweiten auch. Also haben wir uns für die Nutzung von EC2 und S3 für Shoppero entschieden.
EC2 bietet beliebig viele virtuelle Server-Instanzen an. S3 bietet endlosen Festplattenplatz inklusive Auslieferungsmöglichkeit. In der Kombination haben wir jetzt eine virtuelle Serverfarm mit etlichen virtuellen Servern, die nach Bedarf gestartet oder heruntergefahren werden und schier unendlichen Plattenplatz für die Daten. Praktischerweise werden die Bilder dann auch direkt von S3 ausgeliefert, so dass wir uns hier gar keine Sorgen um eine Skalierung machen müssen, das macht S3 von ganz alleine. Dadurch haben unsere Images derzeit alle einen URL a la s3.amazonaws.com, was wir allerdings nicht weiter tragisch finden. Abgerechnet wird pro Stunde bei EC2 und dann noch pro gehostetes GB und pro transferiertes GB. Für die letzten 4 Wochen haben wir für Setup und Testing unserer virtuellen Serverfarm ca. 80 EUR ausgegeben, was uns durchaus erfreut.
Sicherlich gibt es auch beim Betrieb einer virtuellen Serverlandschaft bei EC2 einige Aspekte, die man beachten muß. Beispielsweise kann man CPU, RAM und Plattenplatz der virtuellen Instanz nicht selber frei bestimmen, sondern nimmt das, was EC2 anbietet. Noch dazu kommt der interessante Begeleitumstand, dass man zwar beim Crash einer Instanz nur knapp 4 Minuten benötigt, um eine neue Instanz zu starten, aber dass dabei sämtliche Daten auf dem virtuellen Plattenplatz der Instanz, immerhin 160 Gb, unweigerlich flöten gehen. Also müssen die Daten für den Fall der Fälle ausgelagert werden, beispielsweise auf S3, weil interner Traffic zwischen EC2 und S3 nichts kostet, oder z.B. durch MySQL Master-Slave-Konfigurationen.
Konzeptionell ist die Kombination von EC2 und S3 höchst interessant und hat uns in der Entwicklungsphase einiges an Arbeit und Aufwand erspart. Und wir hatten bislang keine kaputte Festplatte, jedenfalls haben wir nichts bemerkt.

Sehr vernünftig. Endlich jemand, der wirtschaftlich denkt und sich in diesen Standardservices für’s Outsourcing entschieden hat.
Nachtrag: In der Linkleiste fehlt ein Link zu shoppero!
Das hört sich interessant an, wir nutzen im Moment auch S3 für ein neues Projekt um unsere Daten zu speichern. Ich habe versucht mich für EC2 anzumelden, leider immer noch geschlossene Beta, kann man das irgendwie beschleunigen oder gibt es da Einladungen oder ähnliches?
Habt Ihr Erfahrungen mit der Geschwindigkeit und von S3, mekt man etwas von Auslastungsschwankungen?
Benjamin: Wir hatten noch keine Zeit, vernünftige Messungen durchzuführen, sobald wir harte Daten haben, kommt hier was dazu. Mein Gefühl sagt bei S3 “Schnell genug”, allerdings schwankend bei der Bildauslieferung. Manchmal rasend, manchmal lahm. Schreib ich auch noch was zu.
Bei EC2 muss man einfach warten, so scheint es. Wir haben lange gewartet und kurz vor Start kam dann die Nachricht. Da Amazon keine Infos über die intendierte Nutzung hat, scheint es tatsächlich einfach nach Reihenfolge zu gehen.
Siehe aber . Die neue pro-Request Preisen machen S3 deutlich teuerer als Image-Store, und Shelley meint “S3 is effectively dead as a web service.”
Ich meinte: siehe aber http://burningbird.net/semanticweb/web-20-beats-up-web-10-leaves-bloody-pulp/
ja, die preisanpassung haben wir bemerkt, das müssen wir demnächst mal evaluieren.
Shelley hat im wesentlichen Recht. Ich denke auch, dass dies genau von Amazon so beabsichtigt ist. Als Backup ist S3 aber immer noch schön.